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Erzeuger

Weniger Rind auf dem Teller

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Externer Autor
am
04.03.2019

Rindermastring Schwaben zieht Bilanz und beklagt rückläufigen Fleischkonsum

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Erstmals seit 17 Jahren legte der deutsche Verbraucher beim Rindfleischkonsum den Rückwärtsgang ein. Ändert sich sein Kaufverhalten nicht, wird es sich in absehbarer Zeit auf die Bullenpreise auswirken, prophezeite der Geschäftsführer der EG Franken-Schwaben, Burkhart Hock, auf der Jahresversammlung des Rindermastrings Schwaben in Gottmannshofen.

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Der Ringvorsitzende August Drexler verzichtete heuer auf einen Jahresrückblick und übergab an Klaus Zimmerer vom Fachzentrum Rindermast am AELF Erding. Der Rinder-Fachmann mit Dienstsitz am AELF Wertingen hatte die wichtigsten Kennzahlen der Leistungsprüfung für das Wirtschaftsjahr 2017/18 mitgebracht:

  • Der Rindermastring Schwaben betreute 186 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt rund 20 650 Mastrindern. Das sind 10 Betriebe und 502 Tiere weniger als im Vorjahr. Damit beläuft sich der durchschnittliche Bullenbestand je Betrieb auf 111 Stück.
  • Rund 13 000 Rinder wurden in der Leistungsprüfung abgeschlossen. Davon entfielen 43 % auf die Mast ab Kalb, 41 % auf die Mast ab Fresser und der Rest auf die Fressererzeugung, Färsen-, Absetzer- und Ochsenmast.
  • In der Mast ab Kalb wurden 5634 Tiere abgeschlossen, das sind 1577 weniger als im Vorjahr. Die tägliche Gewichtszunahme erhöhte sich gegenüber 2016/17 im Durchschnitt um 2 auf 1306 g, während sich die Quote der vorzeitigen Abgänge um 0,1 auf 4,2 % und die Quote der verendeten Tiere um 0,7 auf 2,9 % verringerte. Der Bruttoerlös steigerte sich um 121 auf 1765 €, der Deckungsbeitrag um 157 auf 453 € pro gemästetem Kalb.
  • In der Fressermast wurden 4452 und damit 281 Tiere mehr als im Vorjahr abgeschlossen. Im Mittel sank die tägliche Zunahme um 21 auf 1304 g. Die Quote der vorzeitigen Abgänge reduzierte sich um 0,3 auf 3,5 %, während sich die Quote der verendeten Tiere um 0,5 auf 1,7 % erhöhte. Der Bruttoerlös steigerte sich um 107 auf 1807 € , der Deckungsbeitrag pro Tier um 116 auf 320 €.
Erneut war es Zimmerer ein Anliegen, auf die großen Unterschiede in den Gewinnmargen der besseren und der weniger erfolgreichen Mastbetriebe hinzuweisen. So erzielte das obere Viertel der Betriebe in der Kälbermast Tageszunahmen von durchschnittlich 1372 g, während sich das untere Viertel mit 1231 g begnügen musste. Auch die vorzeitigen Abgänge lagen im unteren Viertel mit 7,7 % deutlich über den 3,2 % des oberen Viertels. „Die Produktionstechnik entscheidet“, stellte Zimmerer klar. Das spiegelt sich auch in den Deckungsbeiträgen wieder: 534 € pro Tier waren es bei den guten und nur 313 € bei den weniger guten Mästern. Nur wer im langjährigen Mittel seine Deckungsbeiträge über den Vollkosten von rund 330 € halten kann, dürfe sich Gedanken über eine Investition in einen neuen Maststall machen. Freilich spielt auch der Rindfleischpreis eine Rolle bei der Wirtschaftlichkeit. „Alles unter vier Euro ist eine Katastrophe“, sagte Zimmerer. Immerhin, im Wirtschaftsjahr 2017/18 lagen die Preise sowohl in der Kälber-, Fresser- und Absetzermast als auch der Fressererzeugung über dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre.

Anforderungen an die Haltung nicht erfüllbar

Skeptisch beäugt der AELF-Mitarbeiter die neue Kennzeichnung der Haltungsformen durch die führenden Einzelhandelsketten. Bereits für die Stufe 2 wird hier für Jungbullen ein Platzangebot von 3 m² pro Tier verlangt. „Davon sind wir mit unseren normalen Bullenställen ganz weit weg“, stellte Zimmerer fest. Für den Handel stehe aber das Tierwohl ohnehin nicht im Vordergrund. Mit der Ampelkennzeichnung der Haltungsformen wolle er nichts anderes als die Preise für das herkömmlich produzierte Fleisch noch weiter drücken.
Je mehr die Preise sinken, desto wichtiger wird es für die Bullenmäster, ordentliche Deckungsbeiträge zu erzielen. Bernd Broich vom Futtermittelhersteller Diamond V erklärte, weshalb sich viele Bullen so gar nicht den Zielvorstellungen der Mäster hinsichtlich Leistung und Gesundheitsstatus fügen wollen. Besonders wichtig für einen leistungsfreudigen Mastbullen ist ein funktionsfähiger Verdauungstrakt. Eine Rolle spielen hier neben dem Produktionsmanagement die Wetterlage, der Transport, die Futter- und Wasserqualität und weitere Stressfaktoren. „Vor allem im Pansen darf nichts schiefgehen“, sagte Broich. Damit der pH-Wert im Pansen stabil bleibt, brauchen die Bullen gutes Futter und eine stressfreie Umgebung. „Solange sein Darm gesund ist, wird der Bulle auch zunehmen“, versicherte Broich.

Gute Silagen
und richtig mischen

Die Darmgesundheit fängt mit einer ordentlichen Silage an. „Geben Sie Ihren Bullen das zum Fressen, was sie wollen, damit sie gerne fressen“, so Broich. Die Tiere benötigen gleichmäßige Mischrationen, was sich am besten über Futteruntersuchungen abklären lässt. Um die Teilchengröße in der Ration zu ermitteln, leistet eine Schüttelbox gute Dienste. Für die gleichmäßige Verteilung der unterschiedlich großen Häcksel muss die Ration gründlich durchmischt werden. Bei zwei Dritteln der von Diamond V untersuchten Rationen sei dies nicht der Fall gewesen. Es gilt also, den Mischwagen nicht zu überfüllen, ihn genügend lange arbeiten zu lassen und technisch in Ordnung zu halten. „Eine schlecht gemischte Ration macht den Bullen krank und kann ihn im schlimmsten Fall sogar töten.“ Für das Mischen hatte Broich eine Faustregel parat: Immer von klein nach groß und von trocken nach nass. Am Futtertisch sollte der Mäster die Rationen immer gut nachschieben, damit die Bullen stressfrei fressen können – auch in der Nacht. Auch die Überbelegung der Buchten ist ein weiterer Stressfaktor.
Der Geschäftsführer der EG Franken-Schwaben, Burkhard Hock, warf einen Blick auf den Rindfleischmarkt. Sowohl die Produktion als auch der Konsum sind in Deutschland rückläufig, im Fleischbereich verzeichnet lediglich das Geflügel einen Aufwärtstrend. Wie Zimmer betrachtet auch Hock die Anforderungen der Stufe 2 in der Haltungskennzeichnung für die Bullenmast als nicht erfüllbar.
Erfreulich für die Bullenmäster: Die Tierwohldebatte scheint bei ihnen noch nicht angekommen zu sein. Aber ob das auf Dauer so bleiben wird? Hock hat seine Zweifel. Aber auch ohne die gestiegenen Tierwohlanforderungen würden sich die Bullenmäster immer mit dem Preis auseinandersetzen müssen. „35 Prozent über dem Normalpreis – und außer Bio wird nichts mehr gekauft“, fasste Hock die Erfahrungen des Handels zusammen. Was schon verwundert: Trotz des sinkenden Selbstversorgungsgrads beim Rindfleisch steigen die Preise nicht. Ein Trost ist das hohe Ansehen von GQ Bayern, das die Nachfrage fördert.
Ringvorsitzender August Drexler und Klaus Zimmerer zeichneten die zehn erfolgreichsten schwäbischen Bullenmäster, die in ihren Ställen im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Tageszunahme von mehr als 1400 g erreicht hatten, mit Urkunden aus: Michael Asam (Malzhausen), Christian Bischof (Berg), Martin Dörle (Deubach), Hans-Jürgen Erhard (Hörmannsberg), Hermann Kobinger (Mörslingen), Thomas Schreitmüller (Auhausen), Xaver Sedlmeir (Igenhausen), Markus Sedlmeyr (Hörmannsberg), Thomas Wiedemann (Harburg) und Josef Wollmann-Seiler (Stettenhofen). MA

Auf einen Blick

  • Der Rindermastring Schwaben betreut 186 Betriebe mit 20 650 Mastrindern.
  • 13 000 Rinder wurden in der Leistungsprüfung abgeschlossen.
  • Es gibt große Unterschiede zwischen dem oberen und unteren Viertel der Betriebe.
  • Maststallbau erst ab DB über 330 € im langjährigen Mittel.
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