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Milchwirtschaftliche Verein Allgäu-Schwaben

Wertvolle Arbeit für die Branche

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Brigitte Früh, Wochenblatt
am
07.12.2016

Kempten - Der Milchwirtschaftliche Verein Allgäu-Schwaben hat eine Satzungsänderung beschlossen. Er öffnet sich jetzt für ganz Bayern.

Milchwirtschaftliche Verein Allgäu-Schwaben

"Der Milchwirtschaftliche Verein Allgäu-Schwaben e. V. hat sich für ganz Bayern geöffnet, sodass sich die gesamte Milchwirtschaft darin wiederfinden kann.“ Mit diesen Worten formulierte der Vorsitzende Hans Epp bei der Mitgliederversammlung des Milchwirtschaftlichen Vereins (MVAS) in Kempten die Kernaussage der neuen Satzung. Die Satzungsänderung war am Vormittag im internen Teil der Versammlung diskutiert und „mit überwältigender Mehrheit“ angenommen worden, berichtete Epp.
Mittags begrüßte der MVAS-Vorsitzende zum öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung und fasste die weiteren Ergebnisse des Vormittags zusammen. Demnach legten Geschäftsführer Clemens Rück und Geschäftsbereichsleiter Rudolf Seipelt den Geschäfts- und Finanzbericht 2015 sowie den Haushaltsvoranschlag 2017 vor. Die Mitgliedsbeiträge bleiben unverändert.

Dr. Jörg Gabler ist nun Ehrenmitglied

Außerdem beschlossen die Mitglieder, Dr. Jörg Gabler zum Ehrenmitglied zu ernennen und für sein langjähriges Engagement im Verein auszuzeichnen. Gabler (Obergünzburg) ist seit 43 Jahren, von 1973 und bis heute, als Vertreter der Gruppe milchbe- und verarbeitende Indu­strie-Unternehmen im Vorstand des MVAS, davon 25 Jahre lang (1980 bis 2005), als 2. Vorsitzender. In dieser Zeit übernahm der heute 85-Jährige während der Erkrankung des damaligen Vorsitzenden Erwin Seitz längere Zeit auch die Aufgaben des ersten Vorsitzenden.
In seiner Laudatio beschrieb der Vize-Vorsitzende des MVAS, Ulrich Kraut, den Geehrten als „Repräsentanten der Allgäuer Milchwirtschaft“. Es sei ihm stets darum gegangen, als Unternehmer wie auch als Banker, nachhaltig Werte zu schaffen. Mit seiner pragmatischen Art, seiner Erfahrung als Milchwirtschafter, seinem stets „gut gespitzten Rechenstift“, gesundem Menschenverstand und seiner ausgleichenden Art habe Gabler sein Ehrenamt im MVAS mit „Bravour und Weitsicht“ gemeistert. Dafür verliehen ihm Epp und Kraut die Ehrenmitgliedschaft und eine Plakette des heiligen Theodul.
In seinem Geschäftsbericht war Rück vorwiegend auf die Institutionen des Vereins eingegangen. Das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Milchviehhaltung, Grünland und Berglandwirtschaft Spitalhof als staatliche Behörde leiste in guter Zusammenarbeit mit dem landwirtschaftlichen Betrieb Spitalhof – der ebenso wie die angegliederten Liegenschaften und Flächen dem MVAS gehört – „wertvolle Arbeit in der Aus- und Weiterbildung für den landwirtschaftlichen Melk- und Weidebetrieb“, wie es im Geschäftsbericht heißt.
Die Molkereischule – die Liegenschaft ist Eigentum des MVAS, das Lehrpersonal staatlich (Berufsschule III Kempten und LVFZ für Molkereiwirtschaft) – habe wieder viele Neuanmeldungen. Dank umfangreicher Investitionen vor allem im Lehrtechnikum sei die Ausbildung zum/r Molkereitechnologen/-in und die Fortbildung zum Molkereimeister/-in oder -techniker/-in „up to date“.
Das Labor- und Dienstleistungszentrum muva Kempten ist seit 21. Juni eine GmbH. Gegenüber dem Vorjahr habe der Umsatz gesteigert werden können. Die muva Kempten arbeite mit der TU und der LMU München wie auch mit der Hochschule Kempten zusammen. Insgesamt stünden die Institutionen auf wirtschaftlich gesunden Beinen.
In seinem Grußwort hob Thomas Kreuzer, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion, die Rolle der Milchwirtschaft als bedeutender Wirtschaftsfaktor in Bayern hervor. Die Politik habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die schwierige Situation der Milchviehhalter zu verbessern und ein millionenschweres Hilfspaket geschnürt.
Mittlerweile habe sich die Lage verbessert, dank einer EU-weiten Mengenreduktion, einer Stabilisierung der Nachfrage und einer positiven Exportentwicklung bei Butter und Käse. „Allein mit finanziellen Hilfen kann eine solche Krise nicht bewältigt werden“, machte Kreuzer deutlich. Deshalb appellierte er an alle Marktbeteiligten – und nahm dabei auch die Verarbeiter in die Verantwortung –, nach zukunftsfähigen Strategien und Lösungen zu suchen.
Josef Mayr, der die Stadt Kempten und den Landkreis Oberallgäu vertrat, betonte, dass die Milchbranche einen erheblichen Anteil an der wirtschaftlichen Stärke der Region habe.
Die Europaabgeordnete Ulrike Müller blickte auf die Rolle der EU bei der Bewältigung der Milchkrise. Der Agrar­ausschuss habe auf die Krise richtig reagiert und finanzielle Hilfen bereitgestellt. Aus ihrer Sicht war indes die Erhöhung der Intervention das wichtigste Instrument zur Marktbereinigung. „Mit der Milch-He­rauskaufaktion wurde ein psychologischer Effekt am Markt erzielt“, sagte sie und verwies auf die Notwendigkeit, im Nachgang reale Daten über die Mengenbewegungen der Milch zu erfassen. Das sei jedoch schwierig, weil man auf Daten von Molkereien angewiesen sei.
Aktuell, so Müller weiter, werde in Brüssel darüber diskutiert, Gelder aus der ersten Säule herauszunehmen und in eine Art „Versicherungssystem“ zu stecken. Das zur Ratifizierung anstehende Handelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada nannte sie das „beste jemals ausgehandelte Abkommen“ und eine „Chance für die Landwirtschaft“.

Handelsplätze machen keine besseren Preise

Eine rege Diskussion entwickelte sich im Anschluss an den Vortrag von Michael Lutzke, Agrarexperte der Bremer Landesbank, zum Thema „Warenterminmärkte im Milchsektor sinnvoll einsetzen“ (Kasten oben). MVAS-Vorsitzender Epp sieht zumindest für die bayerische Milchwirtschaft mit ihrer relativ kleinen Struktur, ihrer großen Produktpalette und einer relativ hohen Wertschöpfung wenig Potenzial für den Handel an der Börse.
„Handelsplätze machen den Preis planbar, aber keine besseren Preise“, kommentierte Kraut das Thema Warenterminmärkte im Schlusswort. An die Politik appellierte er: „Erhalten Sie uns die Märkte und setzen Sie die Rahmenbedingungen richtig, ohne den Markt zu regulieren!“

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