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Sitzung

Wolf oder Weide? Beides geht nicht!

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Externer Autor
am
11.03.2019

Unterallgäuer Jagdgenossenschaften befassen sich mit aktuellen Themen

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Erkheim/Lks. Unterallgäu Der Sprecher der Arge der Jagdgenossenschaften im BBV Unterallgäu, Alois Hartmann, berichtete in der jüngsten Jahresversammlung in Erkheim über die verschiedenen Aktivitäten im vergangenen Jahr. So war er bei einer Versammlung im Oberallgäu, bei der es um die Thematik „Wolf“ ging und sehr emotional diskutiert wurde. Die dortigen Bauern und Älp-ler engagierten sich verständlicherweise für eine massive Bekämpfung des Wolfes. Die Staatsregierung habe sich aber gegen einen Abschuss ausgesprochen. Möglich seien allenfalls Entschädigungen für die vom Wolf gerissenen Tiere und die Förderung von Schutzmaßnahmen und Hütehunde, heiße es. „Bevor der Staat Unangenehmes entscheidet, nimmt er lieber viel Geld in die Hand“, meinte Hartmann hierzu.

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Hartmann wies auch auf die zunehmende Anzahl von Wildschweinen hin. Dass vor Kurzem bei einer Jagd und im vergangenen Jagdjahr enorm viel Schwarzwild erlegt werden konnte, zeige dies deutlich. Neben dem Schaden in Wald und Flur tragen die Schwarzkittel auch dazu bei, die Afrikanische Schweinepest zu transportieren.

Fotos von gerissenen Schafen nicht zu finden

Johann Koch vom BBV-Generalsekretariat München, dort zuständiger Referent für Bauernwald und die Jagd, bezog klar Stellung gegen den Wolf. Er zeigte Fotos von gerissenen Tieren und wies darauf hin, dass solche Bilder nirgendwo zu sehen seien, auch im Internet nicht. Elektrozäune böten keinen Schutz vor Wölfen, wie Beispiele zeigten. Aus Angst vor dem Wolf komme es sogar vor, dass in Panik geratene Schafe selbst die Zäune niederreißen und so dem Wolf den Weg frei machten.
Koch sprach von mittlerweile über 1000 Wölfen in Deutschland, mit einem jährlichen Anstieg bis zu 40 %! In Norddeutschland sehe es inzwischen so aus, als kippe die Stimmung zuungunsten des Wolfs, machte Koch etwas Hoffnung. Um gegen den Wolf vorzugehen, haben Bayern und Österreich ein Bündnis geschlossen. Deren Kernforderungen seien der Schutz und Erhalt der bäuerlichen Weide-, Freiland- und Offenstallhaltung. Weiter werde darin eine umfassende Folgenabschätzung gefordert. Lokale Bedürfnisse müssten berücksichtigt werden. Auch die Aufrechterhaltung der bisher üblichen Weidewirtschaft sowie die Entnahme von Wölfen, um wolfsfreie Zonen zu schaffen, sei darin beschrieben.
Klar habe sich hier auch der BBV positioniert, der zehn Kernforderungen aufgestellt hat, etwa die Beweislastumkehr, Lösung von rechtlichen Fragen und sehr wichtig: die Sicherheit der Menschen im ländlichen Raum. Auch sei bislang nicht geklärt, ob der Wolf in der bayerischen Kulturlandschaft einen geeigneten Lebensraum findet. „Dabei darf nicht nur von den Bedürfnissen dieser Tiere ausgegangen werden, vielmehr sind auch die Belange der Bevölkerung im ländlichen Raum zu berücksichtigen“ . Dies müsse Priorität haben.
Andere europäische Länder in und außerhalb der EU praktizierten eine sogenannte Schutzjagd und die Ausweisung von wolfsfreien Zonen. „Es läuft letztendlich darauf hinaus: Wolf oder Weide? Beides geht nicht!“, so Koch. Informationen zu dieser Thematik sind unter www.lfu.bayern.de zu erhalten.
Koch zeigte weiter auf, wie viel Wildtiere in Bayern beheimatet sind. Rehwild habe zugenommen, und es gebe so viel Schalenwild wie noch nie. Aber auch die Wildgänse werden immer mehr.

Seit Jahren legen Landwirte Blühstreifen an

Ergänzend ging der Referent auf die vielen „Dienstleistungen“ der Landwirtschaft zur Lebensraumverbesserung für Wildtiere, Bienen, Insekten und andere Lebewesen durch das Kulap ein. Auch werbe der BBV aktiv für die Blühstreifen. Dies untermauerte er mit Zahlen: So bestehen für das neue Kulap seit dem Jahr 2017 77 000 neue Verpflichtungen mit einem Zuwachs um 9 % – und dies freiwillig. Inzwischen mache jeder zweite Betrieb beim Kulap mit. Es passiere sehr viel draußen, um ein attraktives Angebot für Insekten zu schaffen. Dazu trügen auch die Wildlebensraumberater bei. Die gesamte Gesellschaft müsse sich an dieser gemeinschaftlichen Aufgabe beteiligen.
Weiter ging der Referent auf den Klimawandel ein, „der im vollen Gange“ sei, und erläuterte das aktuelle Vegetationsgutachten für Bayern. Dazu ergänzte der Leitende Forstdirektor Rainer Nützel vom AELF Mindelheim, dass es wieder sehr unterschiedliche Ergebnisse in den verschiedenen Hegegemeinschaften gegeben habe. „Für Sie als Jagdvorstand bedeutet dies, das Vegetationsgutachten genau anzusehen, die Fakten festzustellen und die Marschrichtung für die eigene Jagdgenossenschaft vorzugeben.“
Dr. Hubert Rainer vom Mindelheimer Veterinäramt bezog Stellung zur Afrikanischen Schweinepest und die Vorgehensweise bei einem Ausbruch im Unterallgäu. Aus seinen Worten ging hervor, dass sich das Amt schon jetzt intensiv damit befasst hat. So gab es u. a. Gespräche mit der Jägerschaft. Und klar sagte der Tierarzt: „Wir wenigen Veterinäre in unserem Amt allein werden keine Seuche im Unterallgäu bekämpfen können!“ Das Virus habe eine sehr hohe Widerstandsfähigkeit. Die Übertragung geschehe vor allem von Tier zu Tier über Blut und belastete Lebensmittel sowie weiterer Faktoren wie Zecken. Man habe vor diesem Hintergrund auch die Zahl der heimischen Schweinehalter und deren Tiere gezählt.

Datenschutz auch bei den Jagdgenossenschaften

Geschäftsführer Helmut Mader erläuterte die neue EU-Datenschutzgrundverordnung, von der jede Jagdgenossenschaft betroffen sei. Dazu liege ein Sonderdruck des BBV-Generalsekretariats vor, den alle erhalten haben, sowie eine relativ einfach auszufüllende Kurzfassung. Wichtig sei, dieses Thema auf die nächste Vorstandssitzung zu setzen und dies im Protokoll zu vermerken. Es müsse ein Datenschutzbeauftragter bestimmt werden. Dies könne nicht der Jagdvorsteher sein, sondern sein Stellvertreter oder Beisitzer. Toni Lederman

Auf einen Blick

Erster Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften Unterallgäu Alois Hartmann eröffnete die aktuelle Jahresversammlung dieser Organisation und wies auf die Wichtigkeit der verschiedenen Tagesordnungspunkte dieser Versammlung hin. Die Bandbreite reichte von der aktuellen Entwicklung in der bayerischen Jagdpolitik über die Afrikanische Schweinepest bis zur Wolf-Situation und deren Bekämpfung. Aber auch die Ergebnisse des Vegetationsgutachtens für das Unterallgäu wurde thematisiert, ebenso stand die EU-Datenschutzgrundverordnung auf der Tagesordnung.

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