Login

Hier zeigt sich die Liebe zur Qualität

Patrizia Schallert
am
09.08.2018

Auf dem Betrieb Großhauser lernen Schulkinder viel über die Urproduktion.

20_landfrauen_schule_don_1

Vom Bauern nur das Beste. Beim Projekt „Landfrauen machen Schule“ konnten sich 23 Kinder aus der Grundschule Oettingen auf dem Betrieb der Familie Großhauser in Hainsfarth ein Bild davon machen, wie viel Mühe, produktionstechnischer Aufwand und Liebe zur Qualität erforderlich sind, um ihnen täglich Gutes und Gesundes auf den Teller zu bringen. Und wenn die Fleisch- und Wurstprodukte dann auch noch aus besonders tierwohlgerechter Haltung stammen, schmeckt es gleich noch einmal so gut.

Kreisbäuerin Ruth Meißler war überrascht, dass sich die Oettinger Schulkinder für das Thema „Fleisch“ entschieden haben. Ansonsten stünden eher die Milch oder das Getreide im Vordergrund, erklärt sie bei der Begrüßung der Mädchen und Buben auf dem Betrieb Großhauser. „In der Schule wird unsere BBV-Ernährungsfachfrau mit den Kindern einen Burger zubereiten. Da ist es schon wichtig, ihnen bewusst zu machen, dass dafür ein Tier geschlachtet werden musste und sie dem Lebensmittel Fleisch schon deshalb eine größere Wertschätzung entgegenbringen sollten.“

Außerdem sollten die Mädchen und Buben erfahren, wie viel Arbeit in der bäuerlichen Urproduktion steckt. „Ich kann meinen Berufskolleginnen und -kollegen nicht genug danken, dass sie sich für das BBV-Projekt engagieren und uns Landfrauen in der Öffentlichkeitsarbeit jedes Jahr aufs Neue unterstützen.“ Auch das Interesse der Schulleiter und Lehrkräfte im Landkreis habe erfreulicherweise zugenommen. „Wir können nur hoffen, dass das bayerische Landwirtschaftsministerium unser Projekt noch lange finanziell unterstützt“, sagt die Kreisbäuerin.

Direktvermarktung: ein hartes Geschäft

Direktvermarktung ist ein hartes und zeitaufwändiges Geschäft. Davon können auch Rita und Konrad Großhauser ein Lied singen. Auch wenn sich die Familie auf dem Kreuzhof in Hainsfarth in den 20 Jahren seit der Eröffnung ihres Hofladens mit hochwertigen Produkten einen Namen im Ries gemacht hat, nimmt der Betriebsleiter die Verbraucher in die Pflicht. „Ich wünsche mir, dass die Verbraucher tatsächlich so regional einkaufen, wie sie immer behaupten. Wäre das nämlich der Fall, könnten wir uns auf den Wochenmärkten vor Kunden kaum retten.“

20_landfrauen_schule_don_2

Nachdem Konrad Großhausers Eltern Rosina und Konrad 1996 mit dem Ab-Hof-Verkauf von Brot und Eiern begonnen hatten, setzte sich der Junglandwirt zwei Jahre später in den Kopf, gemeinsam mit seiner Frau Rita einen Hofladen zu eröffnen. „Damals habe ich mir eingebildet, dass es in einer 5000 Einwohner zählenden Stadt wie Oettingen eine entsprechende Nachfrage gibt, das war aber nicht so“, blickt der 50-Jährige zurück. „Mit nur zwei Produkten kann man die Verbraucher nicht auf den Hof locken.“ So entschlossen sich Großhauser und ein Berufskollege 1999 einen gemeinsamen Stand auf dem Nördlinger Bauernmarkt zu betreiben. Neben Eiern und Brot bot die Familie jetzt auch Rindfleisch in Sechs- und Zwölf-Kilogramm-Paketen ab Hof an.

Als 2001 und 2002 die Wochenmärkte in Oettingen und Wemding starteten, waren Großhausers von Anfang an dabei und erweiterten ihr Angebot um „Wurst im Glas.“ Dafür wurden einige Schweine angeschafft und deren Fleisch mit den Rinderabschnitten verarbeitet. Die Schlachtung der Tiere erfolgt seit jeher in der Landmetzgerei Reuter in Steinhart. „Schon als wir mit der Rindfleischvermarktung begonnen haben, konnten wir seine Räumlichen für das Abpacken des Fleisches nutzen, auch die Wurst stelle ich gemeinsam mit dem Metzger her“, sagt der staatliche geprüfte Wirtschafter für Landbau. 2005 ergab sich für die Familie die Möglichkeit, den Stand einer Bäuerin auf dem Wochenmarkt in Donauwörth zu übernehmen.
Seit dem Start der Direktvermarktung hat sich auf dem Kreuzhof viel getan. Ihr Augenmerk legte die Familie Großhauser vor allem auf eine besonders tierwohlgerechte Haltung der Schweine und Bullen. 64 Jung- und 98 Mastschweinen steht ein Höhlenstall mit Auslauf zur Verfügung. Die ehemalige Maschinenhalle wurde zum Legehennenstall umgebaut. Obwohl eigentlich 1200 Plätze zur Verfügung stehen, ist er meist nur mit 1000 bis 1100 Tieren belegt. Bei den Rindern setzt der Landwirt auf Stroh und kleine Einheiten.
Für die Kälber hat die Familie vor sieben Jahren einen neuen Tretmiststall errichtet. Weil sie die 100 kg schweren Tiere überwiegend aus Igluhaltung zukauft, steht ihnen zusätzlich ein planbefestigter überdachter Auslauf zur Verfügung. „Es wäre nicht sinnvoll, sie nur in einem warmen Stall zu halten“, erklärt der Betriebsleiter. „Durch den nur mäßig warmen Innenstall werden die 25 Kälber auf den Außenklima-Tretmiststall vorbereitet.“ Dort werden die 60 männlichen Rinder im Alter von 6 bis 12 Monaten und 55 mit ein bis zwei Jahren in Buchten mit je 20 Tieren gehalten. So ist das Platzangebot mit 4,5 m² pro Mastbulle im Tretmiststall ausgesprochen großzügig.
Mit ein Grund für den Bau des Tretmiststalls waren die verschärften Auflagen bei der Gülleausbringung. So musste Großhauser für den Festmist nur ein Mistlager mit Gülleaustrittschutz bauen. Für die Futterproduktion stehen 8 ha Grünland und 54 ha Ackerfläche zur Verfügung. Angebaut werden Winterweizen, Wintergerste, Triticale, Silomais, Kleegras und ein Klee-Luzernegras-Gemisch.
Die Mehrkosten für die tierwohlgerechte Haltung seiner Kälber und Bullen beziffert Großhauser auf rund zehn Prozent, die er über einen besseren Preis bei der Direktvermarktung wieder hereinholen kann. „Die Kunden im Hofladen fragen nicht nach dem Preis, weil sie sich von der artgerechten Haltung unserer Tiere direkt vor Ort überzeugen können“, sagt Großhauser. Auf den Märkten sei das eher schwieriger, doch die hochwertige Qualität der Kreuzhof-Produkte hat sich in der Bevölkerung inzwischen herumgesprochen. Das Angebot hat die Familie seit Beginn der Direktvermarktung erheblich vergrößert. Auf dem elterlichen Betrieb von Rita Großhauser werden zusätzlich 17 Mutterschafe der genügsamen Rasse. „Heidschnucke“, dazu im Schnitt 13 Lämmer und ein Schafbock gehalten.
Der hofeigene Weizen wird in der Aumühle bei Hainsfarth gemahlen. „Das Roggenmehl für unser Brot kaufen wir von der Mühle zu, weil unsere Böden für den Anbau dieser Getreideart nicht geeignet sind“, erklärt der Landwirt.

Jetzt auch Nudeln im Sortiment

Seit vergangenem Jahr stellt die Familie auch Nudeln her. Nachdem der ehemalige Nudel-Lieferant seinen Betrieb eingestellt hatte, übernahm sie seine Maschinen. Die Kunden können auch bei verschiedenen Brotaufstrichen, Konfitüren und Säften aus dem Vollen schöpfen.

„Mit der Vergrößerung der Produktpalette ist die Arbeitsbelastung stark gestiegen“, bestätigt Konrad Großhauser. Tatkräftig unterstützt wird er neben seiner Frau auch von seinen Eltern und dem 20-jährigen Sohn Philipp. Der Hofnachfolger steht noch mitten in seiner landwirtschaftlichen Ausbildung. Sein 17-jähriger Bruder Leo hat eine Schreinerlehre begonnen und packt mit an, wo es nötig ist. Auch die 10-jährige Agnes und der 6-jährige Linus helfen fleißig mit.
„Es ist allerdings an der Zeit, bestimme Arbeiten abzugeben, sei es im Büro oder auf den Märkten.“ Während die Kunden auf dem Donauwörther Bauernmarkt erwarten, dass der Bauer selbst vor Ort ist, wäre Großhauser froh, eine Hilfskraft für die Märkte in Wemding und Oettingen zu finden. Das sei aber nicht ganz einfach, schließlich müsse sich die Person mit der bäuerlichen Urproduktion auskennen, zur Familie passen und vertrauenswürdig sein.
Auch interessant