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Düngeverordnung

Rote Gebiete, grüne Gebiete: Was gilt wo?

Bodenprobe
Dr. Matthias Wendland, Konrad Offenberger, LfL
am
29.11.2018

Für Flächen im roten Gebiet, gelten schärfere Auflagen - unter bestimmten Voraussetzungen ist aber eine Befreiung möglich.

Ab 1.12.2018 gilt die „Verordnung über besondere Anforderungen an die Düngung und Erleichterungen bei der Düngung (Ausführungsverordnung Düngeverordnung – AVDüV)“. Was sie bring? Erleichterungen für Flächen im grünen Gebiet und schärfere Auflagen für Flächen im roten Gebiet. Sind meine Flächen im grünen oder roten Gebiet? Diese Frage stellt sich nun vielen Landwirten. Eine erste Übersicht gibt die Karte, die Sie am Ende dieser Seite herunterladen können - flächengenaue Informationen sollen bis Ende des Jahres über iBALIS ersichtlich sein.

Was gilt in den roten Gebieten?

Landwirte müssen für alle Feldstücke ihres Betriebes im roten Gebiet drei zusätzliche Auflagen einhalten:

  • Jährliche Untersuchung des im Boden verfügbaren Stickstoffs auf allen Acker-schlägen bzw. Bewirtschaftungseinheiten (ausgenommen mehrschnittiger Feldfutterbau). Je Kultur muss mindestens auf einem Feldstück eine Nmin- oder EUF-Bodenprobe ge-zogen werden. Für die weiteren Feldstücke der gleichen Kultur kann der im Boden ver-fügbare Stickstoff mit einem Simulationsprogramm ermittelt werden, das die LfL im Ja-nuar allen Landwirten kostenlos zur Verfügung stellt. Die ermittelten Werte müssen bei der Düngebedarfsermittlung verwendet werden.
  • Jährlich eine Untersuchung von Wirtschaftsdüngern sowie Gärrückständen vor dem Aufbringen auf Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff und Gesamtphosphat.           
    Die Untersuchung ist einmal pro Jahr vom mengenmäßig bedeutendsten Wirtschafts-dünger des Betriebes durchzuführen, das Untersuchungsergebnis ist für die Düngebe-darfsermittlung auf allen Feldstücken des Betriebes im roten Gebiet zu verwenden.
  • Einhaltung von erhöhten Gewässerabständen bei der Düngung mit 5 m statt 4 m auf ebenen Flächen und 10 m statt 5 m auf stark geneigten Flächen mit mehr als 10 % Hangneigung zur Böschungsoberkante.

Befreiung von den Auflagen

Eine Befreiung von den zusätzlichen Maßnahmen auf den Feldstücken im roten Gebiet ist möglich, für:

  1. Betriebe, die im aktuellen Nährstoffvergleich einen Kontrollwert von max. 35 kg N/ha im dreijährigen Mittel nachweisen,
  2. Feldstücke, die in bestehende Kooperationen mit Wasserversorgern einbezogen sind, deren Maßnahmen vergleichbare Wirkung erzielen.
  3. Betriebe, die an der KULAP-Maßnahme B10 „Ökologischer Landbau im Gesamtbetrieb“ teilnehmen,
  4. Feldstücke, die mit einer der folgenden KULAP-Maßnahmen belegt sind:
  • B28/B29 – Umwandlung Acker in Grünland entlang von Gewässern und in sonstigen sensiblen Gebieten,
  • B30 – Extensive Grünlandnutzung entlang von Gewässern und in sonstigen sensiblen Gebieten,
  • B34 – Gewässer und Erosionsschutzstreifen (zukünftig B32/B33),
  • B35 – Winterbegrünung mit Zwischenfrüchten 
  • B36 – Winterbegrünung mit Wildsaaten,
  • B37 – Mulchsaatverfahren bei Reihenkulturen,
  • B38 – Streifen/Direktsaatverfahren bei Reihenkulturen
  • B39 – Verzicht auf Intensivfrüchte in wasserwirtschaftlich sensiblen Gebieten

Weiße und grüne Gebiete

In den weißen Gebieten gilt die DüV 1:1. Zum weißen Gebiet zählen u.a. Flächen im grünen Gebiet, die in Wasserschutzgebieten oder Einzugsgebieten von öffentlichen Wassergewin-nungsanlagen liegen oder in Gemarkungen, in denen im Grundwasser mehr als 37,5 Milli-gramm Nitrat je Liter ohne fallenden Trend festgestellt worden sind.

Erleichterungen für grüne Gebiete: Betriebe mit mindestens 80 % Flächenanteil im grünen Gebiet (berechnet nach den tatsächlichen Flächenanteilen der LF des Betriebes in Bayern), können folgende Erleichterungen erhalten:

  1. Rinderhaltende Betriebe > 3 GV/ha mit ausreichend Grünland brauchen auch ab 2020 nur sechs Monate Gülle-Mindestlagerkapazität. Die genaue Berechnung der erforderlichen Lagerkapazität erfolgt auf Basis der Anteile der Rinderhaltung sowie des Grünlandes der Betriebe im Rahmen des Lagerraumprogrammes der LfL.
  2. Anhebung der Grenzen für Aufzeichnungspflichten (Düngebedarfsermittlung, Nähr-stoffvergleich) von 15 auf 30 ha LF (ohne Flächen nach § 8 Abs. 6, Nr. 1 und 2 DüV),
  • sofern max. 110 kg GesamtN/ha LF aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft jährlich anfallen,
  • max. 3 ha Gemüse, Hopfen, Wein oder Erdbeeren angebaut und
  • keine Wirtschaftsdünger oder Gärrückstände aufgenommen werden.

Wo kann man sich informieren?

Die Information der Landwirte zur Gebietskulisse und den Vorgaben der Verordnung wird zum einen über iBALIS erfolgen. Hierzu ist bis Ende des Jahres und somit rechtzeitig vor der KULAP-Antragstellung vorgesehen, dass im FNN bei jedem nitratgefährdeten Feldstück der entsprechende Hinweis ergänzt (ähnlich zur Erosionsgefährdung) wird. Zusätzlich werden auf einer eigenen Übersicht alle nitratgefährdeten Feldstücke und relevante KULAP-Maßnahmen auf diesem Feldstück angezeigt. So hat der Landwirt einen schnellen Überblick, auf welchen Feldstücken die drei zusätzlichen Auflagen einzuhalten sind. Des Weiteren wird auf Grundlage der aktuellen Feldstücke auch der prozentuale Anteil der LF am grünen Gebiet mit Erleichterungen angezeigt.

Zusätzlich werden die Landwirte vor Ort im Rahmen der Winterveranstaltungen durch die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten informiert. Informationen sind auch im Internet unter https://www.lfl.bayern.de/iab/duengung/index.php abrufbar.

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